Ich bin gefallen, im Krieg zwischen uns.

Noch mal was Kleines für zwischendurch.

Du stellst Dich täglich auf die Waage,
immer mit der bangen Frage,
wird der Pfeil nach unten gehen?
Ist ein Fortschritt abzusehen?
Du schielst zum Zeiger voller Angst,
dass Du ein Kilo mehr erlangst.
Du denkst nur noch an Magersein und Fasten,
Deine Knochen sind schon einzeln zu tasten.

Jedes mal wenn du nein zu Essen sagst, sagst du ja zu Ana.

Worte die mir aus der Seele sprechen.

Hey, ich habe vorhin beim stöbern mal ein Gedicht gefunden. Es bringt es genau auf den Punkt. Magersucht ist Stärke. Magersucht ist Nichtessen, wenn andere essen müssen. Magersucht ist Euphorie, Tag X ohne Essen durchgehalten zu haben. Magersucht ist die Freude, alle Knochen spüren zu können. Das bisschen Haut ist noch zu viel. Magersucht ist Weitermachen. Magersucht ist ausflippen wegen jeder Kleinigkeit. Magersucht, das ist Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit; es ist Leichtigkeit und wohltuende Leere. Magersucht hat nichts mit Medien zu tun und nichts mit falschen Schönheitsidealen. Magersucht ist ein Kampf gegen den eigenen Körper. Magersucht ist Hass, Selbsthass. Magersucht ist nicht klar kommen können mit sich selbst. Magersucht ist Leid. Magersucht ist eine Verlagerung, innere Zerrissenheit. Magersucht ist die Seele nach außen zu kehren. Magersucht ist Gefühle nicht zeigen zu dürfen. Magersucht ist die Folge von Dingen, die zu schmerzhaft sind. Magersucht ist Trauma. Magersucht ist die Schuld immer bei sich selbst zu suchen. Magersucht ist ein Rückzug in sich selbst. Magersucht ist Ekel, Ekel vor sich selbst. Magersucht ist ein Hilfeschrei. Magersucht ist keine Hilfe zu wollen. Magersucht ist alleine sein. Magersucht ist das Größte, was ich je zustande gebracht hab. Magersucht ist meine Stärke und mein Untergang. Magersucht ist meine Art mit Problemen umzugehen. Magersucht gehört zu mir. Magersucht, das bin ich! Magersucht, du wirst mich wohl nie gehen lassen.

endlich getraut

Hier ist er also, mein erster Eintrag.
Jahrelang wollte ich der Gesellschaft mal die Meinung geigen, weil ich Kommentare wie :' Lass dir helfen. / Guck dich an wie scheiße du aussiehst. / Du bist so stur und dumm. / Lebst du schon oder wiegst du dich noch ?' einfach nicht mehr ertrage. Ich will euch zeigen wie es ist so leben zu müssen.
Ich erzähle euch mal ein paar Dinge über mich.
Ich bin 18 Jahre und geh alleine durchs Leben. Das einzige was kam, als ich gezwungen wurde auf eigenen Beinen zu stehen, war meine Freundin Ana. Ihr kennt sie, jeder hat schon was von ihr gehört. Ihr vollständiger Name ist Anorexia nervosa. Vor gut 9 Jahren entschied sie sich dafür mich auf meinem Weg zu begleiten. Mittlerweile ist sie ein großer Teil von mir, eigentlich der Größte. Ich liebe sie und hasse sie zugleich. Ich mein, ich wäre nicht Ich wenn Ana nicht da wäre, aber ich habe Angst. Angst vor dem Tag und vor dem was wieder auf mich zu kommt. Ein weiterer Tag voller Erschöpfung und K.O. sein. Einem schweren Kopf, missmutig und ohne Hoffnung. Jeder Tag ist die die reinste Folter. Ich habe starke Depressionen. Depressionen sind tödlich. Wenn du keine Hoffnung hast dann nimmst du dir das Leben, weil die Depressionen sind etwas, was dir vollkommen die Sinnlosigkeit deinen Seins vor Augen führt..

nur bin ich so nicht. Wie konnte ich es zulassen zu diesem Menschen zu werden ? Wisst ihr wie es ist den anderen permanent was vorzumachen ? aus Angst sie könnten die Wahrheit erfahren ? Wisst ihr wie es ist aufgeben zu wollen um endlich wieder frei zu sein ?

Ich weine viel, ständig. Ich weine um mich und meine Mutter, die ich aufgrund meines Verhaltens tief verletzt habe. Einsamkeit, Leere, Selbsthass und Unverständnis überkommen dich und dann, dann bin ich hilflos und depremiert. Es fühlt sich an als hätte man alles falsch gemacht und es ist einem egal ob man weiter lebt oder nicht.

Ich hab keine Angst vorm Tod, eher davor immer mit dieser Krankheit leben zu müssen. Wenn ich es nicht schaffe die Krankheit aufzugeben oder los zu lassen, dann bin ich ein schwacher Mensch und dann habe ich es nicht verdient zu leben.

Ana verleitet mich dazu in zwei Gefühlswelten zu schweben. Es ist furchtbar, regelrecht absurd.